Singen und die Angst zu versagen

Singen und die Angst zu versagen
Posted by Erndwein singt

Die Angst oder auch Furcht ist eine unserer 7 Grundemotionen. Das bedeutet, egal woher wir alle kommen, überall auf der Welt lässt sich die Angst oder Furcht beim Gegenüber erkennen und auch zuordnen.

Angst ist erst mal etwas ganz Wichtiges, denn Angst schützt uns. Sie warnt uns vor Gefahren und bewahrt uns davor, unverantwortliche Risiken einzugehen. Angst hat unsere Vorfahren davor bewahrt, vom Säbelzahntiger gefressen zu werden. Angst kann Kräfte mobilisieren, für die Abwehr oder Flucht, kann aber auch lähmen.

Heutzutage gibt es keine Säbelzahntiger mehr. Wir müssen also nicht mehr Angst haben, zerfleischt zu werden.

Dafür tauchen aber andere Ängste auf.

Nicht wenige Sänger leiden unter Ängsten. Das reicht vom Profi- bis hin zum Hobbysänger. Sie haben Angst vor hohen Tönen, oder dem Bruch, Angst gehört und kritisiert zu werden, Lampenfieber oder auch Bühnenangst. Sie haben Angst zu versagen oder zu scheitern, nicht gut genug zu sein, es einfach nicht gut genug zu machen. Das muss nicht mal auf der Bühne sein, es passiert auch zu Hause beim Üben oder auch im Gesangsunterricht.

Dabei ist ein Punkt ein ganz wichtiger, den wir alle verstehen lernen müssen: Aus Fehlern lernen wir. Das bedeutet, Fehler gehören zu jedem einzelnen Lernprozess in unserem Leben dazu. Es sind einfach die Wörter VERSAGEN und SCHEITERN, die es so aufbauschen und über unseren Köpfen wie ein Damokles-Schwert schweben lassen. Wann hat man denn eigentlich versagt oder ist gescheitert? Woran macht man das fest? Wenn man mal einen Fehler gemacht hat? Versagen und Scheitern lassen irgendwie darauf schließen, dass dann alles vorbei ist. Es gibt kein Zurück mehr, man braucht es nicht noch mal versuchen. Und natürlich hat man dann Angst. Weil dann vielleicht sogar der eigene Traum vom Singen oder der großen Bühne platzen könnte.

Wenn wir etwas (Neues) lernen, dann machen wir nicht nur Fortschritte. Wir stagnieren auch und manchmal scheint es auch so, dass wir Rückschritte machen. Bedeutet das, dass wir versagt haben? Nein, natürlich nicht. Es bedeutet einfach, dass wir lernen.

Wenn wir also Angst vor dem Versagen oder Scheitern haben, dann berauben wir uns unserer einmaligen Gelegenheit, zu lernen. Denn, was passiert oft, wenn wir Angst haben? Wir flüchten oder sind wie gelähmt, ducken uns, stecken den Kopf in den Sand, meiden solche Situationen, die uns Angst machen. Wir tun oder versuchen es erst gar nicht. Und dadurch berauben wir uns der einzigen Möglichkeit, irgendwann Erfolg zu haben. Denn woran messen wir unseren Erfolg? Daran, wie wir gekämpft haben. Ein Erfolg ist erst ein richtiger Erfolg, auf den wir auch stolz sein können, wenn wir hart gearbeitet haben, geschwitzt haben, wenn wir Rückschläge erlitten haben, aber trotzdem dran geblieben sind.

Was kannst du also tun, wenn dich die Angst übermannt und zu lähmen droht?

  • Übe regelmäßig.

Wenn du deine Stimme regelmäßig (und richtig) trainierst, dann lernst du ihr immer mehr zu vertrauen. Je trainierter deine Stimme ist und vor allem je mehr Wissen du dir über die Stimme angeeignet hast, desto sicherer wirst du auch im Umgang mit ihr.

  • Kenne deine Stärken – und Schwächen.

Sei dir bewusst, was du gut kannst, aber auch was noch verbesserungswürdig ist. Wenn du das weißt, dann kannst du gezielt üben und dich vor allem auf der Bühne eher auf das fokussieren, was du kannst. Nichts ist schlimmer, als auf der Bühne zu stehen und innerlich Stoßgebete gen Himmel zu schicken, der hohe Ton möge doch dieses eine Mal hoffentlich ausnahmsweise mal kommen …

  • Visualisiere.

Die Visualisierung ist eine Methode aus der Psychologie und dem Life & Mental Coaching. Sie hilft bei Lampenfieber oder der Bühnenangst. Ganz simpel, einfach in der Umsetzung und mit Erfolgsgarantie. Stell dir deinen Auftritt vor und zwar ganz detailreich. Sieh vor dir, was du anhast, wie du geschminkt bist, wie du mit deinen Mitmusikern und dem Publikum interagierst. Lass deinen Auftritt von Anfang bis Ende vor deinem inneren Auge ablaufen. Mal ihn dir einfach großartig aus. Es kann sein, dass du sogar darauf mit Herzklopfen und schweißnassen Händen reagierst. Das Tolle dabei ist aber, dass das Gehirn nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden kann. Wenn du dir den Auftritt also immer wieder vorstellst, dann denkt dein Gehirn, dass du das auch wirklich erlebt hast. Am Tag deines eigentlichen Auftritts reagiert dein Körper dann nicht mehr so stark darauf, weil das Gehirn denkt: “Ach, das haste doch schon 1000-mal mitgemacht.”

Aber wie bei allem gilt auch hier: Übung macht den Meister. Ein-, zweimal Visualisieren wird nicht helfen. Mach es zur Routine, indem du dir einen festen Termin setzt und es täglich übst.

  • Stärke dein Selbstbewusstsein.

Das kannst du ganz einfach tun, indem du dich hinsetzt und dir mal alles aufschreibst, was du gut kannst. Was sind deine Stärken? Das muss gar nicht aufs Singen bezogen sein. Wenn du dir bewusst machst, was du alles Tolles in deinem Leben schon geleistet und gemeistert hast, was du kannst, dann wird sich das auf dein Selbstbewusstsein und auch Selbstwertgefühl auswirken. Und dann bist du besser gewappnet für Kritik, Selbstkritik oder eventuellen unbegründeten Ängsten, die dich überkommen könnten.

  • Übe dich in Achtsamkeit.

Ich lebe nicht mehr ohne meine Achtsamkeitsübungen. Sie erden mich. Sie fokussieren mich und dadurch lösen sich so manche Selbstzweifel, auch Angstgefühle oder negative Gedanken in Luft auf. Wie beim Visualisieren auch macht auch hier Übung den Meister. Auch hier gibt es kein Versagen oder Scheitern. Eins kann ich dir versprechen:  Es wird nicht auf Anhieb perfekt klappen. Das ist aber normal. Denn auch hier lernst du etwas Neues. Und wie du schon oben gelernt hast, musst du Fehler machen, denn nur durch Fehler lernst und wächst du.

Wir alle haben mit unseren Dämonen in Form von Ängsten, Selbstzweifeln, Zweifeln oder negativen Gedanken zu kämpfen. Wie wir aber damit umgehen, macht den Unterschied. Sei dir deiner Angst bewusst. Sie ist ein Teil von dir. Wenn du aber lernst, sie zu akzeptieren, dann verblasst sie und hat nicht mehr so viel Macht über dich. Je doller du aber versuchst, sie anzukämpfen, desto extremer tritt sie zum Vorschein. Und genau da helfen dir Achtsamkeitsübungen oder auch ein Mental Coaching.

Du möchtest Unterstützung dabei? Ich bin übrigens auch Life & Mentalcoach und Achtsamkeits- und Resilienztrainerin und baue solche Übungen bei Bedarf auch immer in meinen Unterricht mit ein. Ich unterstütze dich gerne dabei!

Bis zum nächsten Mal!

Deine,

 

Dani 💛

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