Tu dir gut

Posted by Erndwein singt

November. Verregnete, graue Tage. Draußen wird es später hell und früher dunkel. Kurz: Es herrscht der allgemeine November-Blues. Wie jedes Jahr zu dieser Zeit. Als wäre das aber nicht schon Grund genug, sich ganz elend zu fühlen, schreiben wir gerade auch noch das Jahr 2020. Keine Kinos, Theater, Restaurants, Konzertsäle, Weihnachtsmärkte. Viele arbeiten im Home Office, man trifft sich kaum mit Freunden oder Familie, kein Vereinssport, kein Fitnessstudio. Sprich: Lockdown-Zeit. Alles, was Körper und Seele guttut, wurde gestrichen.

„Da ist es doch kein Wunder, wenn man niedergeschlagen, träge und lethargisch in der Bude hockt und sich lustlos durchs TV-Programm zappt …“

Denkt man …

Ja, gerade ist ganz vieles doof!

Aber, hey, sind wir nicht alle Menschen und heißt es nicht immer so schön, wir Menschen wären die anpassungsfähigsten Lebewesen, die es auf diesem Planeten gibt? 

Und nein, ich möchte hier nichts beschönigen. Ich finde es furchtbar, dass es seit Monaten keine Konzerte gibt. Ich als Sängerin leide auch darunter. Ich möchte auch mal wieder gerne auf der Bühne stehen oder selbst ins Theater, die Oper oder Konzerte gehen. Kultur wurde praktisch komplett auf Eis gelegt. Das ist eine Katastrophe für die gesamte Gesellschaft!!!

Fakt aber ist, wir können diese Situation gerade nicht ändern. Klar, wir können jammern, motzen, auf die da oben schimpfen, kurz: Wir können unserem Frust einfach freien Lauf lassen und uns so richtig schön reinsteigern.

Die Frage ist nur: Wie geht es uns damit? Macht es die Situation dadurch besser oder irgendwie erträglicher? Die Antwort ist ganz klar: Nein, dadurch fühlen wir uns nur noch beschissener, werden komplett verbittert, grantig und ungenießbar. Und das nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern auch für uns selbst.

Warum also nicht einfach versuchen, das Beste aus dieser Situation herauszuholen? Klingt total utopisch, ich weiß, aber hey, wieso das nicht einfach mal ausprobieren?

Vielleicht

Vielleicht kann ich ja die Zeitersparnis, die ich durch das Home Office habe, für Dinge nutzen, für die mir sonst die Zeit fehlt …

Vielleicht kann ich diese Zeit nutzen, mir bewusst zu werden, was ich eigentlich im Leben will, wie ich dieses Ziel erreichen kann und was genau ich brauche, um mir wirklich gutzutun …

Vielleicht habe ich endlich die Zeit, kurz mal innezuhalten und mir zu überlegen, was mir eigentlich Freude macht oder machen würde …


Wir haben teilweise verlernt, Freude an den kleinen Dingen zu empfinden. Teilweise sind wir so abhängig von anderen, das wir uns gar nicht mehr mit uns selbst beschäftigen können. Dann ist so ein Lockdown natürlich der absolute Super-GAU. Auch wissen wir gar nicht mehr, was Langeweile ist. Es ist manchmal auch mal gut nichts zu tun, sich zu langweilen. Daraus können tolle, neue Ideen entstehen. Die Kreativität wird gefördert und wir entdecken wieder alte Hobbys oder Leidenschaften neu.

Das klingt jetzt alles wie ein abgedroschener Lebensratgeber, ich weiß. Aber wenn wir kurz innehalten und in uns hineinhorchen, hören wir diese eine Stimme, die uns souffliert: Durch Jammern und Motzen wird diese Situation nicht besser.

Es kommt also darauf an, was wir daraus machen. Punkt. 

Und deshalb habe ich für euch hier ein paar wunderbare Beschäftigungen zusammengestellt, um eurem Geist und Körper Gutes zu tun. Ich bin sicher, dass ihr selbst noch ganz viele andere Dinge der Liste hinzufügen könnt, um diese Zeit seelisch wie auch körperlich gesund durchzustehen.

Erndweins Big 6

Sing!

Wie könnte es auch anders sein (schließlich ist das hier ja eigentlich ein Gesangsblog) … Wolltest du vielleicht schon immer mal singen lernen oder dich zumindest etwas damit auseinandersetzen, weil es schon immer irgendwie dein Traum war, mal auf einer Bühne zu stehen? Hey, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, das anzugehen. Schau mal auf meiner Webseite vorbei, vielleicht geb ich ja bald einen Online-Workshop oder melde dich, wenn du ein paar Gesangstunden haben möchtest.

Lies!

Einfach mal abtauchen, in fremde Epochen, Länder oder Themen, indem du es dir mit einer schönen, heißen Tasse Tee (oder einem Glas Rotwein) auf deinem Sessel gemütlich machst und ein gutes Buch liest. Ich habe schon immer gerne gelesen, habe in den letzten Monaten seit dem ersten Lockdown über 40 Bücher gelesen und mir vor allem mal die Must-Reads, also die Klassiker, vorgenommen und es war bisher eine wunderbare Lesereise. Meine Lese-Empfehlung nur so am Rande: Die Elenden von Victor Hugo, Krieg und Frieden von Lew Tolstoi, Effi Briest von Theodor Fontane.

Lerne!

Vielleicht wolltest du schon immer mal Stricken lernen, das Große Latinum angehen oder das Abitur nachholen? Vielleicht wolltest du schon immer ein Instrument oder eine neue Sprache lernen? Wie wäre es dann mit einem Online-Kurs oder einem Fernstudium? Jetzt wäre doch der perfekte Zeitpunkt, das zu tun, was du schon immer mal machen wolltest. 

Tanze!

Mach deine Lieblingsmusik an und spacke ab. Jede Musik funktioniert, die einen Drive hat. Wenn es dann auch noch deine Happy-Songs sind, umso besser! Nach 30 Minuten bist du schön ausgepowert, die Gelenke knacken (je nach Fitness-Level), aber du hast etwas für Körper und Geist getan und fühlst dich glücklich.

Geh raus!

Nur weil wir im Lockdown sind, heißt das nicht, dass wir von morgens bis abends nur in der Bude hocken müssen. Mummle dich in deinen Kuschelschal ein und mach einen Spaziergang oder mach eine ausgiebige Wanderung. 

Mach!

Tu Dinge, die du schon seit ewigen Zeiten auf die lange Bank schiebst und für die du sonst keine Zeit hast. Vielleicht wolltest du schon lange die Küche neu streichen, oder dein Fernstudium endlich beenden oder ‘Die Buddenbrooks’ fertig lesen oder deine Fahrtkostenaufstellung machen oder den Keller entrümpeln oder, oder, oder? Jetzt ist genau die Zeit, um das anzugehen. Zugegeben, es bereitet vielleicht nicht gerade Vergnügen, aber danach fühlt man sich schön befreit von dem Ballast der ewigen Prokrastination. 


Was ist es, was euch guttut? Wie sorgt ihr für einen Lichtstrahl in dieser besonders düsteren, grauen Zeit? Ich bin gespannt auf eure Kommentare und eure Ideen!

2 thoughts on “Tu dir gut

  1. Liebe Dani, du sprichst mir aus dem Herzen. Endlich hatte ich mal genügend Zeit den Keller aufzuräumen, Sachen in den Schränken auszusortieren und auch Schubladen zu reinigen und von unnötigen Dingen zu befreien.
    Ja es gibt immer noch genug zu tun. Gestern habe ich die Zeit gefunden, angefangene Näharbeiten fertig zu machen. Singen und Üben hat auch einen festen Platz. Jetzt hab ich mir auch einen Verstärker und ein Mikrofon gekauft. Ich habe bis jetzt keine Langeweile. Du hast das ganz toll geschrieben und den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Liebe Grüße, Eva.

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